Tafel ist gut gerüstet

Die glücklichen Augen sind das Schönste!
Mit Hygienekonzept und viel Tatkraft unterstützt die Tafel in Radebeul Hilfsbedürftige auch in der Zeit der erneuten Einschränkungen durch Corona.

Zitrusfrüchte reihen sich an Avocados, dahinter Gemüse, Brot und Brötchen. Im hinteren Teil der Ausgabe warten Fisch, Käse, Milchprodukte und Wurstwaren darauf, abgeholt zu werden. Jeden Freitag verteilen Ehrenamtliche der Tafel Radebeul im Gemeindehaus der Lutherkirche Lebensmittel. Auch jetzt, in diesen Zeiten. 

„Wir haben im ersten Lockdown weitergemacht, nun schaffen wir das auch im zweiten“ , sagt Ute Neubert.

Seit gut vier Jahren unterstützt sie die Tafel, zuvor war sie in Dresden tätig. Während der Ausgabe tragen die Tafel Mitarbei­ter Masken und Handschuhe, um Ansteckungen vorzubeugen. Rund 30 ehrenamtliche Mitarbeiter zählt die Tafel. Sechs bis acht bedienen die Ausgabe, jeweils am Freitag im Gemeindehaus der Lutherkirche und Mittwochs bei der Friedenskirche. Die restlichen Unterstützer machen den Transport. Mit zwei Kleintransportern fahren sie die umliegenden Supermärkte und Bäckereien an, die ihre kürzlich abgelaufenen oder aussortieren Waren der Tafel spenden. Von Montag bis Sonnabend sind sie unterwegs. Und auch die Spendermärkte rechnen mittlerweile mit den Tafeln, denn sie sparen sich obendrein die Entsorgung.
In den Ausgabestellen, die die evangelischen Kirchen zur Verfügung stellen, werden die gespendeten Lebensmittel unter die Lupe genommen.

„Bei uns gilt das Motto: Würdest du es selber kaufen?”, erklärt Neubert.

Was nicht mehr gut ist, wird aussortiert. Christian Schmidt und Ute Neubert verteilen jede Woche Lebensmittel aus den Kisten der Tafel, die etwa 200 bedürftige Radebeuler versorgt. Sie hätten sogar Kapazitäten, um noch mehr Menschen mit Lebensmitteln zu unterstützen, meint Christian Schmidt. Er zählt zu den Initiatoren der 2016 gegründeten Tafel Radebeul e.V. – zuvor gehörten sie zum Dresdner Verein. Seine Bekanntheit nutzte der langjährige Intendant der Landesbühnen Sachsen, um in Radebeul ein Spendernetzwerk aufzubauen. So gut wie alle Lebensmittelmarktketten aus der Umgebung sind dabei. Kleintransporter wurden dem Verein von lokalen Autohäusern überlassen, für den guten Zweck und als Werbung. LEBENSMITTEL vor der Entsorgung retten, die Not von Bedürftigen lindern, und vor allem ein sozialer Treffpunkt zu sein, das sind die drei Dinge, die die Tafel verfolgt. Leider müssen das beliebte Tafel Cafe, coronabedingt ausfallen.

„Für viele ist das die einzige Begegnung in der Woche“, meint Ute Neubert.

Normalerweise findet es vor der Ausgabe statt. Zum kostenlosen Kaffee gibt es Kuchen und Torten aus der Bäckerei. Oft stehen herrliche Sahnetorten auf den Tischen – bloß halt vom Vortag, erläutert sie. Manche Gäste kommen extra zwei Stunden vor der Ausgabe, weil sie das Tafel Cafe und den Austausch so schätzen.

„Hier haben sich sogar Leute kennengelernt ,die haben später geheiratet”, fügt sie hinzu.

Hilfsbedürftig in Sinne der Tafelausgaben sind alle Personen, deren Netto-Mo­natseinkommen geringer als 1.250 Euro ist. Für Kinder oder Haushaltsmitglieder gibt es einen Aufschlag auf die Berechtigungssumme. Die rund 200 radebeuler Tafelnutzer sind grundsätzlich sehr verschieden. Sowohl junge Menschen, als auch Rentner sind dabei. Alleinerziehende, Asylbewerber und mittlerweile im­mer mehr Kurzarbeiter greifen auf die Unterstützung zurück.

„Einige unserer Ehrenamtlichen zählen selbst zu den Bedürftigen”, so Christian Schmidt.

Fünf Euro müssen gezahlt werden und dafür bekommt man eine reichliche Lebensmittelversorgung bei der Tafel, die ungefähr den Wert von 30 Euro habe, erklärt Ute Neubert.

„Wenn es ganz umsonst ist, ist es auch nichts wert”, fügt sie hinzu.

Mit dem symbolischen Preis finanziert die Tafel unter anderem das Zwischenlager der gespendeten Lebensmittel. Zwölf Personen, die wegen des Coronavirus nicht zur Ausgabe kommen können, beliefert die Tafel.

„Wir packen die Kisten und fahren sie zu denen nach Hause”, erklärt Christian Schmidt.

In den rund vier Jahren der Tafel erinnert er sich auch an Situationen, bei denen eh­renamtliche Asylbewerber deutschen Bedürftigen Lebensmittel reichten. „Das war ein tolles Bild“, findet Christian Schmidt.

Für ihn sei das schönste an dem Tafel-Ehrenamt, in die glücklichen Augen zu schauen. Viele bedanken sich auch, meint Ute Neubert.

„Aber das sich die Menschen freuen, dass ist der beste Dank“ 

Wir danken der DNN- Dresdner Neuste Nachrichten – Quelle Sören Hinze vom 21.11.2020 – für diesen anschaulichen Bericht über unsere Arbeit sehr herzlich.